Aktuelle Lage – Weiterhin Einschränkung des Ruderbetriebs

Der Ruderbetrieb ist bei uns in Kleinbooten wieder angelaufen – derweil steigt der Deutschlandachter gerade wieder ins Großboottraining ein. Das geht in diesem Fall nicht nur, weil für die Mitglieder der Olympia- und Bundeskader schon in der ganzen Zeit Ausnahmen gelten, sondern auch, weil in NRW die aktuelle Verordnung Sport in Gruppen bis 10 Personen zulässt, wobei sogar die ansonsten gültige Abstandsregel (1,5m) nicht gilt.

Bei uns in Niedersachsen sieht die Lage anders aus – hierzu ein kurzer Blick in die aktuelle Verordnung:

Zusammenkünfte in Vereinen sind weiterhin verboten (§1 (5)), nur die gewählten Gremien dürfen wieder tagen (§1 (5a)) und Vereinsgaststätten wieder öffnen – allerdings jeweils unter Auflagen (zu jeder Zeit mindestens 1,5 Meter Abstand zu jeder anderen Person, die nicht zum eigenen Hausstand gehört). Der Vorstand möchte daher den Vereinsausschuss demnächst zur Sitzung einberufen – anders als sonst aber ohne offenen Zugang für andere Vereinsmitglieder.

Die Sportausübung ist in zwei Paragraphen geregelt: §1 Absatz (8) erlaubt auf öffentlichen und privaten Sportanlagen kontaktlosen Sport mit zu jeder Zeit mindestens 2 Metern Abstand zu jeder anderen Person, die nicht dem eigenen Hausstand angehört – Auf dieser Basis ist unser Kleinbootbetrieb angelaufen, Rudern im Einer für alle und im Zweier für Mitglieder eines gemeinsamen Hausstands. Dabei gelten die Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen wie bekannt gegeben. Umkleidekabinen und Duschen mussten bisher geschlossen bleiben, Bootshallen dürfen nur unter Einhaltung des Abstands von 2 Metern betreten werden – die jeweils ersten und letzten Ruderer bzw. Ruderinnen können so also die Bootswagen aus der Halle holen bzw. dahin zurückbringen.

Nun sind Hunte und Kanal keine ‚Sportanlagen‘ sondern öffentlicher Raum: §2 regelt das allgemeine Verhalten im öffentlichen Raum, Absatz (2) gibt den allgemein gültigen Mindestabstand von 1,5 Metern zu allen anderen Personen vor (=Satz 1) mit Ausnahme von Angehörigen des eigenen oder eines weiteren Hausstands (=Satz 2). Satz 5 greift den ersten Satz (allgemeiner Abstand 1,5 Meter) auf und gibt davon abweichend für körperliche und sportliche Betätigung im Freien einen Mindestabstand von 2 Metern vor – da hier kein Bezug auf Satz 2 genommen wird, ist nicht ganz klar, ob die Ausnahme, dass zu Mitgliedern des eigenen oder eines weiteren Hausstands dieser Abstand nicht eingehalten werden muss auch dann noch gilt.

Der Landesruderverband hat sich zur Klärung an das niedersächsische Sozialministerium gewandt, die Antwort steht noch aus. Wenn hier eine positive Rückmeldung erfolgt, wäre das Rudern in Booten, die mit maximal zwei Haushalten besetzt sind möglich – das könnten je nach Haushaltsgrößen auch Großboote werden, mindestens aber das Rudern im Zweier wäre dann für alle möglich. Genauere Bedingungen dafür (z.B. immer gleich Besetzung, Maskentragen oder Ähnliches) stehen noch nicht fest und auch ob es überhaupt möglich wird, ist nicht sicher.

Neu eingefügt in die Verordnung wird in §2 Absatz (3) der neue Satz 4 (nachdem bereits zum 22.05. der alte Satz 3 wegfiel und der alte Satz 4 daher zu Satz 3 wurde) – demnach ist nun im öffentlichen Raum körperliche und sportliche Betätigung in Gruppen erlaubt, wenn diese durch eine_n Trainer_in begleitet wird und jederzeit 2 Meter Abstand zu anderen Personen, die nicht dem eigenen Hausstand angehören eingehalten wird. Leider ermöglicht auch das nicht das Rudern im Mannschaftsboot

Der Vorsitzende des Deutsche Ruderverbands Siegfried Kaidel hat sich an Ministerpräsident Stephan Weil gewandt, die Situation im Rudersport erläutert und um weitere Öffnung im Sinne der DRV Empfehlungen gebeten – diese sehen beim Rudern geringe Gefahren weil immer ein Abstand von 1,3 Metern eingehalten wird, der Sport kontaktlos ist, kein Gesichtskontakt erfolgt (durch Hintereinandersitzen; für Steuerleute sind Masken vorgesehen) und der Sport gänzlich im Freien stattfindet.

Der LRVN Vorsitzende Reinhard Krüger hat dieses Thema in einem Schreiben an den Krisenstab der niedersächsischen Landesregierung aufgegriffen und weitere konkrete Vorschläge zur weiteren Öffnung bei gleichzeitiger Einschränkung der Kontakte unterbreitet, z.B. feste, nicht wechselnde Bootsbesatzungen.

Wir müssen nun leider warten, wie sich die gesetzlichen Regelungen entwickeln – die Verbände LRVN, LSB und DRV bemühen sich als unsere „Lobbyorganisationen“ um entsprechende Änderungen.  Leider sind auch in der vierten Stufe des niedersächsischen Stufenplans keine weiteren Änderungen erfolgt; die fünfte Stufe soll nach aktueller Planung dann ab dem 22.06. beginnen. Im Zeitplan (Anlage 2 zum Stufenplan, Version vom 04.06.) ist dafür schon die Erweiterung von der bisherigen Zwei-Haushalte-Regel im öffentlichen Raum auf „10 Personen oder Zwei Haushalte“ angegeben. Auch wenn dies nirgendwo sonst auftaucht, lässt das natürlich hoffen – wenn die Abstandsregel dann „ruderfreundlich“ ausfällt.

In jedem Fall brauchen wir rechtssichere Möglichkeiten, um unseren Sport auszuüben. Der Landesruderverband gibt Neuerungen aus dem Krisenstab direkt an die Mitgliedsvereine weiter.

Kein Rudern in Großbooten „mit Lücke“

Vereinzelt werden in Rudervereinen größere Ruderboote mit Lücke gefahren – durch einen freigelassenen Platz kann der Abstand von zwei Metern zwischen den Rudernden  eingehalten werden und z.B. in einem 4x+ (oder 5x-) könnten in Bug, Heck und auf Platz 3 drei Personen rudern und der formal vorgeschriebene Abstand eingehalten werden; entsprechend 2 Personen im 3x-. Wir haben uns hier dagegen entschieden, weil dieser Abstand ja schon beim Heraustragen des Boots aus der Bootshalle gilt und das sichere Tragen, Drehen und Einsetzen eines Vierer-mit für drei Personen nicht ohne Gefahr fürs Material möglich ist. Dann warten wir lieber, bis wir richtig in die Vierer dürfen und haben dann alle Boote einsatzbereit im Haus.

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