ORVO & COVID-19

Wir haben unser Mitglied Michael Jonas als Lungenarzt Experte für Atemwegserkrankungen gefragt, was im Hinblick auf die Ausbreitung des Corona-Virus und unser Vereinsleben insbesondere zu beachten ist. Hier ist seine Antwort, ganz vielen Dank dafür!

Liebe Leute,

Timm Wöltjen hat mich gebeten, zum Thema COVID-19 und ORVO Hinweise zu geben. Ich bin zwar Lungenarzt und wir gucken im Moment in der Praxis täglich in alle medizinischen Newsticker, dennoch kann das Folgende in den nächsten Tagen schnell überholt sein, ich übernehme keine inhaltliche Verantwortung und hafte für nichts. Über COVID-19 kann man in allen Medien stündlich alles Wichtige und vieles mehr lesen und je öfter wiederholt wird, dass man keine Panik entwickeln soll, umso schneller ist sie da. Nicht umsonst werden in diversen Krankenhäusern schamlos und dreist Mundschutze und Desinfektionsmittel gestohlen und das Klopapier war zeitweise alle.

Im Moment läuft bei uns die jährliche Influenzawelle und man kann auch dieses Jahr trotz Impfung eine Influenza bekommen, der Impfschutz ist auch dieses Jahr nicht 100%.  Wie in jedem Jahr gibt es bei der Influenza auch 2020 sehr sehr selten schwere Verläufe mit Lungenentzündungen und diese Patienten müssen auf Intensivstationen behandelt und z.T. länger beatmet werden. Darüber redet und berichtet kein Mensch. Diese Intensivbetten sind da und reichen auch aus, schwieriger ist die Personalsituation, insbesondere wenn man jetzt evtl. die Schulen schließt und die Eltern ihre Schulkinder irgendwie versorgen müssen. Die Influenza endet in aller Regel mit Einsetzen des Frühlingswetter.

Deswegen versucht man mit allen Mitteln, die Durchseuchung der Bevölkerung mit COVID-19 zu verlangsamen, da auch diese Erkrankung sehr selten zu schweren Lungenentzündungen führen kann und dann irgendwann die Plätze knapp werden könnten. Letztlich wird aber erst eine langsame Durchseuchung der Bevölkerung mit Entwicklung einer Immunität das Problem Corona entschärfen. Eine zu schnelle Krankheitsverbreitung wie in Norditalien ist medizinisch und logistisch nicht mehr zu bewältigen und führt dann zu den Zuständen wie im Krankenhaus in z.B. Bergamo. Nach allem, was wir wissen, ist der Übertragungsweg vor allem die Tröpfcheninfektion durch Husten, Niesen, Sekretverbreitung.

Was bedeutet das für den ORVO:

Mit einer Truppe von jeweils bekannten und gesunden Mitruderern, die nun nicht gerade in Italien oder anderen Risikogebieten waren, draußen zu rudern, halte ich noch für das geringste Risiko. Wer Fieber hat oder hatte, wer schnieft und hustet, sollte zu Hause bleiben oder notfalls die Lesum nehmen. Im Fahrtenbuch steht, mit wem man unterwegs war, das ist nachvollziehbar.

Wer mit medizinischer Begründung zu häuslicher Quarantäne aufgefordert wurde oder aus einem Risikogebiet eingereist ist oder wer infizierte Angehörige zu Hause versorgt, sollte diese Quarantäne zu Hause auch befolgen und nicht im Bootshaus auftauchen.

Wer krank ist oder sich krank fühlt, sollte vor allem erst einmal Fieber messen und erst dann seinen Arzt anrufen, die ständige telefonische Aussage “ich glaube, ich habe Fieber“ führt bei mir inzwischen zu Hassgefühlen. Dafür gibt es leider noch keine App, sondern man braucht ein schlichtes konventionelles Fieberthermometer.

In einem Kraftraum mit anderen unbekannten Teilnehmern um die Wette zu atmen und sich anzustrengen, ist sicher mit einem höheren Risiko verbunden, aber man kann ja Abstand halten oder Zeiten suchen, in denen man allein ist.

Wer immunsupressive Mittel einnimmt (Rheuma, Darmerkrankungen, Tumorerkrankungen), hat ein höheres Infektionsrisiko, weiß das aber auch, der ist deutlich mehr gefährdet.

In den Waschräumen gibt es warmes Wasser und Seife, das reicht für den Normalfall aus.

In einer solchen Situation mitten in der Infektsaison impfen wir keine Patienten mehr gegen Influenza und Pneumokokken, das ist etwas für den infektfreien Sommer und Herbst, da man sonst möglicherweise in einen beginnenden Infekt hineinimpft und alles nur noch schlimmer macht.

Falls in den nächsten Wochen auch in Oldenburg die Krankheitsaktivität höher wird, wird man auf nicht notwendige Gruppentreffen, Besprechungen, Fortbildungen etc. vielleicht verzichten müssen. Dazu werden dann auch Fahrten zu auswärtigen Ruderregatten und Wettbewerben zählen müssen.

Bleibt gesund!

Michael

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