Sterne des Sports

NordWest-Zeitung, Hans Begerow

Auch im Winter wird beim Oldenburg Ruderverein trainiert. Acht Mitglieder der Abteilung Handicap-Rudern nutzen Rudergeräte und trainieren an diesem nasskalten Abend im Vereinsheim am Achterdiek ihre Ausdauer. Andere Ruderer sitzen auf Fahrradtrainern und tragen beim Kurbeln zur Geräuschkulisse bei. „Im Winter werden die Meister gemacht“, kommentiert Paul Gellert, einer der Trainer der Handicap-Ruderer. Ihr Handicap besteht zum einen in Sehbehinderungen, es gibt aber auch Ruderer mit geistiger Beeinträchtigung. Seit 2004 gibt es diese Gruppe aus jungen Leuten, die aktuell zwischen 25 und 30 Jahren alt sind. Motto ist: „Alle können in ein Boot steigen“, erläutert Jens Appelbohm, der die Abteilung Handicap-Rudern seit Anfang an begleitet. Mit dabei ist auch Ute Wild, Lehrerin für Blinde und Sehbehinderte. „Aus Ruderkursen sind Vereinsmitgliedschaften entstanden“, erläutert sie.

Die Teilnehmer kommen aus Oldenburg, nehmen aber auch längere Wege in Kauf (Landkreis Wittmund). Ein Problem ganz praktischer Natur: Die Fahrt zum Trainingsort. Ein Bus hält nicht vor dem Vereinsheim, so muss der Weg zum Training für Sehbehinderte und Blinde organisiert sein. Die Handicap-Ruderer nehmen an allen Veranstaltungen des Vereins teil, sie starten bei Vereinsregatten, aber auch bei Regatten in anderen Orten, zum Beispiel in Trier oder bei den Berliner Stadt- und Landesmeisterschaften. Auch Wanderfahrten mit Übernachtung, also Rudern außerhalb von Wettbewerben, zählen zum Programm. „Regatten, Wanderfahrten, alles ist machbar. Blinde können sogar im gesteuerten Einer rudern“, sagt Jens Appelbohm. Und generell gelte: „Rudern ist vielseitig.“ Das schöne Ruderrevier an Hunte und Küstenkanal bietet ideale Bedingungen: „Zwei Gewässer – das ist ein Traum“, sagt Paul Gellert.

Geeignet sei das Rudern für Kinder ab zehn Jahren, „dann ist es auch vom Körperlichen her machbar“, sagt Paul Gellert. Die Eltern werden miteinbezogen, beim Rudern oder bei Regatten. Es könnten auch Menschen rudern, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, betont Jens Appelbohm. Dem Verein war das Handicap-Rudern eine Herzensangelegenheit von Anfang an, strittig war die Förderung der Abteilung Handicap-Rudern nie. Aus der Anfrage einer jungen Frau wurden Schnupperkurse und dann eine feste Gruppe, berichten die Handicap-Ruder-Betreuer. Das Engagement des Vereins blieb nicht unbemerkt. Der Oldenburger Ruderverein kam beim Wettbewerb „Sterne des Sports“ in Gold in die Finalrunde und wurde vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geehrt.

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